Bei der Sanierung einer Abraumhalde der ehemaligen Adolfshütte, gelegen zwischen Dillenburg und dem Stadtteil Niederscheld, hatten Arbeiter eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe gefunden. Unmittelbar neben dem Betriebsgelände befindet sich der einst bedeutende Dillenburger Güterbahnhof, gegen den es im Zweiten Weltkrieg massive Luftangriffe geben hatte. Da von dem amerikanischen Blindgänger keine unmittelbare Gefahr ausging, entschied sich der Krisenstab der Stadt für eine Entschärfung drei Tage später am Sonntag 30. Juni.

Aufgrund der Tallage gab es keinen runden Evakuierungsradius, sondern eine der Topographie angepasste Sperrzone. Diese beinhaltete den ganzen Ortsbereich von Niederscheld sowie südliche Stadtbezirke von Dillenburg mit zusammen 5700 Einwohner. Diese sollten ihre Häuser bis 8 Uhr verlassen. Die meisten fuhren zu Verwandten oder Freunden, nur 180 nutzten die beiden bereitgestellten Notunterkünfte. An einer stellten wir mit unserem Zugtuppfahrzeug und dreiköpfiger Besatzung eine Führungsstelle. Zudem hat ein Fachberater den Kristenstab im Dillenburger Feuerwehrstützpunkt unterstützt.

Aufgabe der Feuerwehr und des THW: von Haus zu Haus gehen, überall klingeln und diejenigen zum Verlassen des Sperrgebietes auffordern, die bisher von allen Informationen zur Evakuierung noch nichts mitbekommen hatten. Dem THW hatte der Krisenstab den Abschnitt zwischen Post, Bahnstrecke, Güterbahnhof und Dillufer zugeteilt. Mit 32 Einsatzkräften arbeiteten wir uns in den sechs Straßen von Tür zu Tür. Besonders viel Arbeit bereitete die Bahnhofstraße. Hier betreuten wir Bewohner, die noch auf den Fahrdienst warteten, andere wussten von nichts und bei einigen mussten wir die Polizei hinzuziehen, die dann mit Nachdruck die Evakuierung durchsetzte.

Insgesamt gestaltete sich die Kontrolle einfacher und schneller als gedacht, da die meisten Bewohner bereits ihre Häuser verlassen hatten. Größter Feind waren die hohen Temperaturen. Ausgerechnet Dillenburg stellte an diesem Einsatztag mit 39,0 Grad einen neuen hessischen Hitzerekord auf. Nach schattigen Plätzchen auf dem Dillenburger Schwimmbadgelände zur Mittagsverpflegung und anschließender Bereitschaft in unserem Stützpunkt konnte der Einsatz nach erfolgreicher Bombenentschärfung um 15.30 Uhr beendet werden.

 

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Eingesetzte Kräfte:

550 Personen von Stadtverwaltung, Polizei, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Deutsche Bahn, Technisches Hilfswerk

 

Kräfte THW Dillenburg:

Fachberater im Krisenstab

Stützpunkt Stärke 1:2

MTW OV Stärke 1:1

MTW-Zugtrupp stärke 1:2

GKW Stärke 1:5

MzKW Stärke 1:5

FLW Stärke 1:5

Kipper R Stärke 1:1

MLW I Stärke 1:4

PKW Log Stärke 1:3